Elternzeitreise – der Weg ist das Ziel

Auch Babys haben schon etwas vom Reisen

Reisen in der Elternzeit

Bei der Geburt unserer Töchter steckten wir beide noch im Studium. Natürlich hatten wir damals viel gemeinsame Zeit mit den Mädels, aber so richtig nach Elternzeit fühlt es sich nicht an, wenn man nach einer schlaflosen Nacht hofft, dass das Baby wenigstens die Vorlesung durchschlafen möge. Als der dritte kleine Chaot kam, war der Job noch frisch und an Vätermonate kaum zu denken. Hätten wir schon bei Kind 1 oder 2 richtig Elternzeit nehmen können, wären wir vielleicht auch mit dem Baby im Rucksack nach Thailand, Bali o.Ä. gereist. Betrachtet man z.B. Instagram, entsteht der Eindruck, dass mindestens die Hälfte aller deutschen Erstlingseltern mit Baby an irgendwelchen Traumstränden Elternzeiturlaub macht. Und das ist genau richtig so. Der erste Urlaub mit Baby ist zwar aufregend und viele Dinge erscheinen kompliziert, aber wann sonst hat man die Möglichkeit, zusammen als Familie für eine längere Dauer eine richtige Auszeit zu nehmen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen? Unseren Weg sowie die wichtigsten Infos zum Thema Elternzeit und Reisen während der Elternzeit habe ich unten für euch zusammengefasst.

Entspanntes Strandbaby

Wohin reisen in der Elternzeit?

Bei Kind 4 wollten wir es endlich schaffen. Kaum war der Antrag raus, begannen die Überlegungen: Für uns stand fest, dass wir raus mussten. Zu schnell verfliegt die Zeit, wenn man sich zu Hause mit den Dingen des Alltags aufhält. Wenn auch nicht Bali, so wollten wir doch wenigstens für vier Wochen am Stück einen kleinen Roadtrip unternehmen. Der komplette Juli stand uns zum gemeinsamen Reisen zur Verfügung. Überraschend schnell kamen wir zu einer Entscheidung, denn aus Kinderreihen rief es sofort: „Barcelona!“

Echt jetzt? In die Großstadt? Mit vier Kindern…?

Unser damals noch 4-jähriger hat eine ganz genaue Vorstellung von seinem Wunschreiseziel. Nach Barcelona – „su’n Stadion (mit scharfem ’s‘ gesprochen) – wo Messi spielt.“ Auch unsere große Fußballerin argumentiert leidenschaftlich dafür. Es gehe ihr dort ja auch nicht nur um Fußball. Sie habe gehört, dass es richtig coole und bunte Häuser gebe und das Meer wäre ja auch noch da. So ist auch die wenig fußballbegeisterte, aber dafür kunstinterressierte, kleine Schwester schnell überzeugt. Bei so viel Einheit wollen wir Eltern natürlich nicht im Wege stehen. Unsere elterliche Ergänzung zum Plan sieht vor, dass wir nicht direkt in der City übernachten, sondern etwas außerhalb der Stadt – in Vilanova il a Geltrù am Meer.

Der Weg ist das Ziel

Wir beschließen, auch wenn es sehr günstige Flugangebote nach Barcelona gibt, nicht einfach in 2.5 Stunden hinzufliegen, sondern den Weg als Teil unserer Reise zu erleben. Daher fahren wir auch nicht direkt über Lyon. Es zieht uns zum Runterkommen in die Berge. Unsere erste Station ist der Mont Blanc. Wir übernachten in einem traumhaft schön gelegenen Chalet in Passy Mont Blanc und haben tolle Erlebnisse in Chamonix. Besser kann die Reise kaum beginnen. Spontan machen wir auf dem Weg eine Nacht Halt im Chartreuse Gebirge und besuchen die Wasserfälle Cirque de St. Même. Nach einem kurzen Abstecher nach Grenoble, fahren wir weiter an die Küste. In Sérignan bleiben wir eine Woche lang in einem Bungalow des Campingplatzes Le Mas des Lavandes. Eigentlich gibt es hier nichts zu bemängeln, außer dass er etwas strandnäher sein könnte. Der Bungalow ist wie neu, das Campingplatzgelände nicht zu riesig, die Poolanlage luxuriös, es gibt einen großen Sportplatz usw. Trotzdem bemerken wir: Camping ist selbst mit festem Dach über dem Kopf nicht wirklich unser Ding. Zu sehr wird man dazu verleitet, keinen Schritt aus dem Mikrokosmos Campingplatz zu machen. Für viele mag das genau der Weg zur Entspannung sein. Ich persönlich finde es eher frustrierend, wenn man kaum einen Ausflug unternimmt, weil Animationsprogramm xy gerade stattfindet. „Zum Glück“ kamen wir bei unserem nächsten Camping-Domizil in Vilanova il a Geltrù gar nicht erst in Versuchung. Mehr dazu und warum wir unsere Pläne für einen Rückweg über die Pyrenäen, Montpellier und Österreich über Bord werfen mussten, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Wie funktioniert Elternzeit und Elterngeld?

In Deutschland ist es üblich, dass ein Elternteil ab der Geburt des Kindes die Berufstätigkeit unterbricht und in dieser Zeit Elterngeld erhält. Das Basiselterngeld entspricht rund zwei Drittel des Vorjahreseinkommens (mind.aber 300€ und max.1800€). Wenn beide Eltern vom Angebot des Elterngeldes Gebrauch machen (Partnermonate), kommen so 14 Monate Elterngeld zusammen. Alleinerziehende können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld allein in Anspruch nehmen.

Aufteilung der Elternzeit

Die häufigste Aufteilung der Elternzeit ist sicher ein 12- monatige Berufspause der Mutter plus zweimonatige Elternzeit für den Vater. Dabei können die Vätermonate gleichzeitig gelegt werden. Auf diese Weise kann z.B. eine gemeinsame Reise mit bis zu acht Wochen unternommen werden.
Mütter und Väter können ihre Elternzeit natürlich beliebig aufteilen. Schließlich ist zu bedenken, ob Vätermonate in dieser klassischen Form der Aufteilung wirklich zu mehr Gleichberechtigung führen. In unserem Fall bot sich eine einmonatige Elternzeitreise an. Der zweite Vatermonat sollte mir den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern. So übernahm der Mann die Eingewöhnung in der Krippe und hat für einen Monat den Haushalt geschmissen. Man könnte es „Hausmann im Praktikum“ nennen. Auch diese Zeit war unheimlich wertvoll und gibt uns langfristig zu denken, ob es nicht möglich wäre, auch dauerhaft mehr gemeinsame Zeit zu haben. Wir geben ein ziemlich gutes Team ab.

Vorteile einer Elternzeitreise

Elternzeitreise mit Baby in der Trage

Vielleicht sorgt ihr euch darum, dass eine Reise in der Elternzeit für euch oder euer Baby zu anstrengend werden könnte. Vielleicht sind es aber auch Worte wohlmeinender Freunde oder Verwandter, die euch verunsichern. Macht euch nicht verrückt. Es gibt eine Menge praktischer Vorteile, die für einen längeren Urlaub mit Baby sprechen. Zuhause läuft man Gefahr, liegengebliebene Arbeiten zu erledigen. Die Steuer steht an, der Garten braucht Aufmerksamkeit und wollten wir nicht schon immer das Treppenhaus renovieren, ein Carport bauen usw.? Im Urlaub hat die neue oder größer gewordene Familie richtig Zeit, zusammenzuwachsen. Darüber hinaus fällt für Babys und Kleinkinder bis 2 Jahre, solange sie auf dem Schoß der Eltern reisen, nur ein geringer Aufpreis auf Flugtickets an. Auch im Hotel schlafen die Kleinen meist kostenlos im Eltern- oder Beistellbett. Außerdem sind die meißten Babys zufrieden, wenn sie nah bei den Eltern in der Trage oder auf dem Arm sein können und verschlafen einen Großteil des Tages. Es ist in der Regel anspruchsvoller, ein Kind im Kindergarten- oder Schulalter bei Laune zu halten. Dennoch gilt natürlich, dass das Reisen mit Baby um ein Vielfaches flexibler gehalten werden muss, als man es sonst täte. Ihr solltet keinen straffen Zeitplan verfolgen wollen. Besser ist es, die Reise entspannt anzugehen und für alles ausreichend Zeit einzuplanen. Es ist schön, z.B. bei einer Still- oder Strampelpause, an Orten innezuhalten und die Umgebung aufzunehmen. Auch kommt man durch ein Baby sehr schnell in Kontakt mit anderen Menschen. Das Allerschönste sind die gemeinsamen Erlebnisse, von denen man noch Jahre später zehrt. So werden wir z.B. unserem Minimann wahrscheinlich bei jeder noch kommenden Reise die Geschichte erzählen müssen, warum sein erster Reisepass in Barcelona ausgestellt wurde.

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