Pleiten, Pech und Pannen – Reisen in der Elternzeit Part 2

VW Touran mit Bergpanorama

Unsere Autos…

Der Mann hat eine besondere Beziehung zu Autos. Es liegt ihm im Blut. Schon sein Vater hatte zeitweise 7 Autos gleichzeitig, erzählt er. Ganz so arg ist es bei uns zwar nicht. Wir haben immer nur eines, aber dafür fahren wir es nie besonders lang. Als Kind drei geboren wurde, musste der schnittige Alfa Romeo einem noch sportlicherem, aber geräumigen 5er BMW weichen. Hier passen drei Kindersitze auf die Rückbank. Aber die Geburt von Kind vier bereitete dem Mann Kopfzerbrechen. Es schien unmöglich, ein Auto, was diesen Namen verdient hätte, mit mindestens 6 Sitzplätzen zu finden. Deshalb wurde es dieses Mal ein „Vernunftkauf“. VW Touran. Weinrot. Langweiliger geht es kaum. Aber alle passten rein und mit Dachbox sollte er uns sicher auf unseren Reisen in der Elternzeit begleiten.

Dem Ziel so nah und doch so fern

Voller Enthusiasmus machen wir uns auf den Weg nach Barcelona. Genau genommen wollen wir in die Küstenstadt Vilanova i la Geltrù – 40km hinter Barcelona. Aber 11km vor unserem Ziel bleibt der Touran bei knapp über 100000km einfach stehen. Wir rollen gerade noch auf einen Seitenstreifen zwischen unserer Fahrbahn und einer Autobahnauffahrt. Erneute Versuche, den Schlüssel in der Zündung zu drehen bleiben erfolglos. Das Auto gibt keinen Laut von sich. Leider quittiert in der Folge auch die Klimaanlage ihren Dienst und wir sitzen bei 35 Grad mit vier Kindern mitten auf der Autobahn und kommen nicht weg. Links neben uns rasen die Autos vorbei und rechts von uns fahren neue auf. Als ich vor der Reise im Discounter einen Stapel Sicherheitswesten für uns kaufte, dachte ich nicht, dass wir so bald schon davon Gebrauch machen würden.

Also Warndreieck aufstellen (Herrje, wie wird dieses Teil nochmal auseinandergeklappt?) und dem ADAC Mitarbeiter erklären, wo man genau liegengeblieben ist, während das Baby, das ohnehin schon lange keine Lust mehr auf Autofahren hat, sich die Seele aus dem Leib schreit. Nein. Der genaue Standort per Google Maps sei nicht ausreichend. Der freundliche Mitarbeiter müsse schon den genauen Autobahnkilometer wissen, der am Straßenrand auf kleinen Schildern angebracht ist. Pech nur, dass ich den aus dem Auto heraus nicht klar erkenne. Er forderte mich auf, über die Auffahrt hinter die Leitplanke zu gehen, um die Angabe auf dem Schild vorzulesen. Seid ihr schonmal zu Fuß quer über den Beschleunigungsstreifen der Autobahn gelaufen? Das ist wirklich eine Art Nervenkitzel, den ich nicht wieder brauche. Drei endlos scheinende Stunden später kommt endlich der Abschleppwagen. Und weil das bestellte Großraumtaxi dann doch nicht ausreichend Plätze für alle hat, hilft der Schlepper auch im Personentransport aus.

Wenn nicht nur das Auto streikt

Nassgeschwitzt und erledigt kommen wir alle in unserem nächsten Bungalow im Vilanova Park an. Es ist Samstag Abend. Wir haben einen Privatparkplatz neben der Hütte, informiert man uns. Vielen Dank – das wäre sehr praktisch, wenn man ein funktionierendes Auto hätte. Wir lassen es dann doch lieber am Eingang abstellen, bis am Montag die Werkstatt aufmacht. Der Start in den Teil Urlaub, der eigentlich der Höhepunkt unserer Reise sein sollte, hätte deutlich entspannter ausfallen können. Aber nicht nur wir sind gestresst. Offenbar liegen bei dem sonst so ausgeglichenen Babymann die Nerven blank. Schon im Auto will er partout nicht gestillt werden. Wasser und Fruchtbrei nimmt er, aber am Abend wird es kritisch. Er hat wirklich Hunger, tut aber so, als hätte er noch nie Muttermilch getrunken. Er stößt mich weg, aber weint verzweifelt. „Stillstreik“. Vielleicht hat sich durch den Stress der Geruch und/oder Geschmack ’seiner Brust‘ verändert. Inzwischen habe ich eine Oberweite wie Pamela Anderson. Manchmal hat der Mann richtig gute Ideen: Es ist etwas umständlich, aber der kleine Streiker trinkt eine ordentliche Portion Muttermilch aus dem Glas und schläft endlich entspannt ein. Zum Glück klappt das Trinken an der Brust in der Nacht wieder und am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei.

Stillstreik

Behörde de luxe

Am Montag informiert uns die Werkstatt, dass unser Auto einen Motorschaden habe und eine Reparatur mindestens 10 Tage in Anspruch nehmen würde. Beinahe ein wirtschaftlicher Totalschaden. Nach ausführlichen und ungestörten Telefonaten mit dem ADAC (Kinderbühnenprogramm sei Dank) ist klar: unser Auto gilt knapp nicht als Totalschaden und wird nach Hause transportiert. Wir dürfen die Heimreise per Flugzeug antreten. Über den ADAC kann man natürlich geteilter Meinung sein. In diesem Moment sind wir aber heilfroh, dass alles für uns organisiert wird. Sogar das Buchen der Flüge wird übernommen. Allerdings brauchen die freundlichen Mitarbeiter alle unsere Ausweisnummern. Moment mal…alle? Tatsächlich hatten wir für den Minimenschen noch keinen Reisepass beantragt. Auf der Autoreise war es dank offener Grenzen nicht aufgefallen, aber den Flug dürfen wir definitiv nur antreten, wenn auch das jüngste Familienmitglied einen Pass besitzt. Immerhin hatte ich für den Fall der Fälle eine Geburtsurkunde eingepackt. So kamen wir in den Genuss einer der besten Aussichtspunkte der Stadt.

Das Deutsche Generalkonsulat liegt direkt am Strand und einen Blick wie von dort oben – 32. Stock – muss man anderenorts teuer bezahlen. Was für ein genialer Arbeitsplatz für einen deutschen Beamten. Ich habe das Gefühl, die Mitarbeiter wissen ihre priviligierte Lage zu schätzen und machen, ganz behördenuntypisch, einen sehr entspannten Eindruck. Uns wird schnell weitergeholfen. Der erste Reisepass – ausgestellt in Barcelona. Wenn das nichts Besondereres ist!

Haste Sch… am Schuh… haste Sch… am Schuh

Ein seltsames Gefühl, eine Strecke, für die wir uns auf der Hinfahrt drei Wochen Zeit genommen haben, in 2,5 Stunden Flugzeit zurückzureisen. Für den Rückweg hatten wir uns eigentlich noch die katalanischen Pyrenäen, Carcassonne und Montpellier vorgenommen. Dies alles musste leider ausfallen. Um Mitternacht kommen wir mit den Kindern in Deutschland an. Trotz zeitiger Anmeldung, will uns kein Taxiunternehmen mitnehmen. Versucht das einfach mal aus Spaß am Telefon: arabischen Nachnamen nennen, sagen, dass ihr vier Kinder und Gepäck habt und nur 4 km fahren wollt. Also sitzen wir mit Sack und Pack mit völlig erledigten Kindern im öffentlichen Nahverkehr unter kritischen Blicken der anderen Fahrgäste (Kinder nach 20 Uhr auf offener Straße…tstststs…). Vier Tage später brechen wir nach Österreich auf. Bereits im Voraus gebucht waren vier Tage Tirol mit dem Rest der Familie. Für diese Fahrt holen wir uns einen Mietwagen. Einen makellosen und fast neuen BMW. Man muss auch mal Glück haben.

Heiterwanger See

Denkste…nach einem Ausflug an den Heiterwanger See ist eine Beule in der Seitentür des Wagens und ein Reifen beschädigt. Zum Glück können wir den Reifen noch aufbereiten lassen, so dass er für die Rückfahrt am nächsten Tag fahrbereit ist. Aber als wäre das nicht genug an Pleiten und Pannen für unseren Elternzeiturlaub, hagelt es auf dem Rückweg, wie ich es noch nie erlebt habe. Auf der Autobahn kann man maximal 30km/h fahren und Hagelkörner, so groß wie Tischtennisbälle knallen als effektvolles Finale auf unseren Leihwagen. Wir geben ein vollkommen demoliertes Auto wieder ab.

Realitätscheck

Bei all dem Autopech habe ich ganz vergessen zu erwähnen, dass wir sowohl in Frankreich als auch in Österreich jeweils einen Tag im örtlichen Krankenhaus zugebracht haben. Zum Glück war niemand ernsthaft krank oder verletzt.

Man könnte aber durchaus den Eindruck gewinnen, dass unser Elternzeiturlaub ein richtiger Reinfall war. Das Gegenteil ist der Fall! Immer noch zehren wir von den Erinnerungen. Wir versuchten, die Dinge gelassen anzugehen und so viel vom Urlaub zu genießen, wie irgendwie möglich. Natürlich hat uns das kaputte Auto Sorgen gemacht, aber manchmal hilft ein kleiner Realitätscheck. Ist jemand ensthaft zu Schaden gekommen? Nein. Es ist ein Haufen Blech und einige verlorenen Scheine, aber wir werden die Sache überleben. Außerdem haben wir tolle Orte gesehen und gerade dadurch jede Menge unglaublich netter Menschen getroffen. Fremde Menschen, die uns in ihrem Privatauto von der Werkstatt bis zum Campingplatz fahren wollten und andere, die uns mit Händen und Füßen den Weg zur nächsten Bushaltestelle zeigten, um uns dann lieber doch den ganzen Weg persönlich zu begleiten. Selten sind wir so vielen offenen und hilfbereiten Menschen begegnet.

 

 

 

 

 

 

 

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